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Loslassen lernen – so lassen Sie die Vergangenheit hinter sich

Stellen Sie sich vor, Sie sind am Strand. Es ist ein herrlicher Tag. Aber genießen können Sie ihn nicht. Denn wie so oft drehen sich Ihre Gedanken um dieses eine Thema, mit dem Sie einfach nicht abschließen können. Sie sind traurig, weil Sie die Vergangenheit nicht zurückholen können. Gleichzeitig sind sie wütend auf sich selbst und schämen sich für Ihre Traurigkeit.

Stellen Sie sich nun vor, dass all Ihre Gedanken und Gefühle zu diesem Thema in einem Wasserball eingeschlossen sind. Der Wasserball stört Sie schon so lange dermaßen, dass Sie ihn unbedingt loswerden wollen. Also laufen Sie zum Wasser und versuchen, ihn zu versenken. Aber er taucht jedes Mal wieder an der Oberfläche auf.

Viele Menschen versuchen, mit unangenehmen Situationen aus ihrer Vergangenheit umzugehen, indem sie sich möglichst nicht damit beschäftigen. An dieser Stelle verwenden wir Psychologen oft das Bild mit dem Wasserball. Es zeigt, dass Gedanken und Gefühle zu verdrängen langfristig das genaue Gegenteil bewirkt: Die Gedanken und Gefühle kommen irgendwann immer wieder mit aller Macht zurück.

Aber wie können Sie nun lernen, die Vergangenheit wirklich loszulassen? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

Wasserball, der aufs Wasserf im Pool fällt

Warum ist es wichtig, loszulassen?

Wenn Sie lernen, sich von schmerzhaften Erfahrungen aus der Vergangenheit zu lösen, können Sie sich viel leichter auf andere, schöne Dinge in der Gegenwart einlassen. Sie haben mehr Zeit und Energie für all das, was Ihnen in Ihrem Leben wichtig ist, weil Sie sich nicht mehr so sehr von Ihren Gedanken an die Vergangenheit einnehmen lassen.
Sie hören auf, sich dauerhaft damit zu beschäftigen, was Sie nicht ändern können und fangen an, Verantwortung für das zu übernehmen, auf das Sie im Hier und Jetzt einen Einfluss haben. So übernehmen Sie viel mehr Kontrolle über Ihr Leben und fühlen sich freier und selbstbestimmter.

Frau, die vor dem Meer steht und die Arme ausgebreitet hält. Die Sonne scheint an ihr vorbei
Photo by Fuu J on Unsplash

Wie im Beispiel von Frau M.
Jahre lang litt sie unter der Trennung von ihrem ehemaligen Freund. Das führte dazu, dass sie vieles nicht mehr richtig genießen konnte, was ihr früher Spaß gemacht hatte und sie auch keine neue Beziehung eingehen konnte. Aus unseren Beratungsgesprächen hat sie mitgenommen, dass sie ihr Leben unabhängig von der Trennung selbst in die Hand nehmen kann und möchte. So wurde sie mit der Zeit immer offener und fröhlicher.

Wann ist es wichtig, loszulassen?

Oft fällt es uns besonders schwer, eine Person oder eine Sache loszulassen, die uns viel bedeutet oder uns emotional sehr stark geprägt hat, im Positiven wie im Negativen.

Hier einige Beispiele:

  1. Loslassen einer Person nach ihrem Tod. Oft sind das Ihre Eltern, im höheren Alter dann Ihre Freunde oder andere nahestehende Gleichaltrige.

  2. Loslassen Ihrer Kinder, die langsam erwachsen werden oder bereits erwachsen sind und ein eigenständiges Leben führen.

  3. Loslassen einer Beziehung oder Freundschaft, die schon lange vorbei ist und Sie noch immer beschäftigt.

  4. Loslassen einer Beziehung oder Freundschaft, in der Sie nicht mehr glücklich sind, aber es Ihnen schwerfällt sie zu beenden, weil Sie einmal eine schöne gemeinsame Zeit hatten.

  5. Loslassen Ihrer ehemaligen Arbeit, die Ihnen viel Spaß gemacht und Sie erfüllt hat.

  6. Loslassen belastender oder traumatischer Erfahrungen, wie zum Beispiel, wenn Sie körperlich oder seelisch missbraucht wurden.

  7. Loslassen Ihrer Erwartungen an sich selbst, die Sie nicht oder nur unter sehr großer Anstrengung erfüllen können.

Der Prozess des Loslassens

Natürlich ist jeder Mensch individuell. Dennoch gibt es in der Psychologie allgemeine Modelle und Theorien, die gut zusammenfassen, wie wir in bestimmten Situationen oft denken, fühlen und uns verhalten.
Das Trauerphasenmodell der schweizer Psychologin Verena Kast beschreibt, welche Schritte Menschen beim Loslassen häufig durchlaufen. Das Modell bezieht sich speziell auf Trauer um Verstorbene, Sie können es aber auf alles anwenden, das Sie in Ihrem Leben loslassen wollen.

Die vier Phasen laufen nacheinander ab, es kommt jedoch vor, dass Sie sich zwischenzeitlich wieder in einer vorherigen Phase befinden oder Sie sehr lange in einer der Phasen bleiben.

Die einzelnen Phasen sind:

die 4 Trauerphasen nach Verena Kast
Die 4 Trauerphasen nach Verena Kast

1. Leugnen, Nicht-wahr-haben-wollen

Wenn Sie gerade erst erfahren haben, dass jemand nahestehendes gestorben ist, sich jemand von Ihnen trennt oder Sie jemanden oder etwas Geliebtes hinter sich lassen müssen, reagieren Sie darauf in der Regel erst einmal mit Widerstand. Dann kann es sein, dass Sie die Nachricht aktiv leugnen – „Das muss ein Irrtum sein!“ – oder Sie zumindest keine emotionalen Empfindungen zu der Nachricht wahrnehmen. Normalerweise ist diese Phase sehr kurz, sie dauert einige Stunden bis wenige Tage.

2. Intensive, aufbrechende Emotionen

In dieser Phase erleben Sie ganz unterschiedliche Emotionen, meistens mit großer Intensität. Dazu gehören Trauer, Schmerz, Einsamkeit, Wut, aber auch Freude und Erleichterung, wenn etwa der Verstorbene von seinem langen Leiden erlöst ist oder Ihre Beziehung mit Problemen verbunden war, die sich durch die Trennung gelöst haben. Hinzu kommen oft auch Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen, wenn Sie zum Beispiel glauben, die andere Person nicht genug geliebt oder gewürdigt zu haben. Wenn es Ihnen schwerfällt loszulassen, ist dies oft mit starken Schuldgefühlen und einem dauerhaft schlechten Gewissen verbunden.

3. Suchen, finden, loslassen

In dieser Phase spüren Sie noch einmal bewusst die Verbindung zu der Person oder Sache, die sie loslassen wollen. Lassen Sie alle aufkommenden Erinnerungen und Gefühle zu und nehmen Sie sie an.

4. Akzeptanz und Neuanfang

Sie haben den erlebten Verlust als Realität akzeptiert und sind nun bereit, Ihr Leben wieder aktiv zu gestalten und sich Neuem zuzuwenden.

Sportkurs, man sieht Frauen, die auf Yoga-Matten auf allen Vieren stehen und ein Bein nach hinten heben
Photo by bruce mars on Unsplash

Die Konsequenzen - das passiert, wenn Sie nicht loslassen

Möglicherweise beschäftigt Sie eine unangenehme Situation, die viele Jahre her ist. Sie ist schon lange vorbei, doch den Schmerz, den Sie empfinden, tragen Sie seit dem immer mit sich. Es fällt Ihnen dadurch oft schwer, all das Schöne in Ihrem Leben zu genießen.
Vielleicht liegen Sie nachts lange wach, weil Ihre Gedanken immer wieder um die Vergangenheit kreisen. Weil sie schlecht schlafen, können Sie sich tagsüber nicht gut konzentrieren, sind schlecht gelaunt und reizbar oder machen bei der Arbeit oft Fehler. Das wiederum führt dazu, dass sie schnell in Konflikte geraten.

So lange Sie nicht loslassen, geben Sie der Situation Macht über sich.
Lernen Sie, loszulassen. So nehmen Sie die Verantwortung für sich und Ihr Leben zu sich zurück.

Lernen Sie loslassen - mit diesen 5 Tipps

Wie gelingt es Ihnen nun, die Vergangenheit hinter sich zu lassen?

1. Akzeptieren Sie die Situation

Oft fällt uns das Loslassen so schwer, weil wir das, was passiert ist so unangenehm finden, dass wir versuchen, dagegen anzukämpfen. Nur wird der Kampf gegen etwas, das vergangen ist, niemals Erfolg haben. Lernen Sie also, die Situation anzunehmen und sagen Sie sich: „Es ist, wie es ist.“

 

2. Leben Sie stärker in der Gegenwart

Zwar gibt es Dinge, die Sie loslassen müssen, doch es wird auch immer Dinge in Ihrem Leben geben, die Ihnen erhalten bleiben. Konzentrieren Sie sich stärker darauf.
Auch wenn Sie sich viel mit der Vergangenheit beschäftigen, können Sie lernen, mit Ihrer Aufmerksamkeit mehr ins Hier und Jetzt zu kommen. Dabei ist eine sehr wirkungsvolle Methode das Prinzip der Achtsamkeit nach Jon Kabat-Zinn, das ich gerne in meinen psychologischen Online-Beratungen anwende.
Sie lernen durch einfache und praktische Übungen, den gegenwärtigen Moment bewusster wahrzunehmen und sich von belastenden Gedanken zu distanzieren. Dabei passen wir die Übungen gemeinsam an Sie und Ihre individuelle Lebenssituation an.

Sie möchten mehr erfahren? Vereinbaren Sie ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir!

3. Planen Sie Ihre Zukunft

Vermutlich hat die Vergangenheit bisher sehr viel Platz in Ihrem Leben eingenommen. Das muss nicht für immer so bleiben! Überlegen Sie sich einmal, was Sie in Ihrem Leben gerne noch erreichen möchten. Welche Ziele Sie verfolgen wollen. Was Sie sich für Ihre Zukunft wünschen.

Hand mit Stift, Person schreibt To-Do-Liste, Hintergrund leicht verschwommen
Fröhlicher Mann im Café, mit Zeitung, neben ihm roter Stuhl

4. Schreiben Sie einen Abschiedsbrief

Vielleicht ist Ihr Kopf voll mit Dingen, die Sie der anderen Person gerne sagen würden, aber nicht mehr können. Oder Ihnen kommen immer wieder dieselben Gedanken, die Sie einfach nicht loswerden. Schreiben Sie der Person oder Sache, die sie loslassen wollen, einen Brief. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen durch den Kopf geht. Überlegen Sie sich dann, ob Sie den Brief behalten oder vielleicht auch wegwerfen möchten.

5. Erkennen Sie die Macht Ihrer eigenen Einstellung

Wie gut es Ihnen gelingt, loslassen zu können, hängt auch von Ihrer Einstellung ab.

In den allermeisten Fällen braucht loszulassen Zeit. Gedanken wie „Ich sollte längst darüber hinweg sein!“ sind oft wenig hilfreich. Sagen Sie sich Dinge wie „Das schaffe ich nie!“ oder „Das klappt sowieso nicht!“, führt dies wiederum häufig zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung: Sie verhalten sich unbewusst so, dass Ihnen das Loslassen tatsächlich schwerfällt. Glauben Sie also an sich!

Typische Fragen rund ums Loslassen lernen

Für Sie ist der erste Schritt zu verstehen, warum Ihnen das Loslassen so schwerfällt: Möglicherweise macht es Ihnen Angst, Dinge aufzugeben oder hinter sich lassen zu müssen, die Ihnen bekannt und vertraut waren und Ihnen viel Sicherheit gegeben haben. Vielleicht haben Sie auch bereits einige Verluste und Abschiede erlebt, die mit unangenehmen Gefühlen verbunden waren und Ihnen macht das Loslassen Angst, weil Sie diese Gefühle nicht wieder spüren möchten. Oder Sie haben im Gegenteil noch nie vorher einen Verlust erlebt und müssen erst lernen, damit umzugehen. Von den möglichen Ursachen Ihrer Schwierigkeiten hängt ab, was Sie am besten dagegen tun können.

Sie müssen nicht alles loslassen, was etwas mit dem geliebten Menschen zu tun hat. Es ist nur wichtig, dass Sie akzeptieren und Ihren Frieden damit finden, dass dieser Mensch nicht mehr bei Ihnen ist. Wenn es Ihnen hilft, können Sie trotzdem einen Teil des Menschen für immer in sich tragen. Zum Beispiel durch schöne gemeinsame Erinnerungen, an die Sie gerne zurückdenken. Oder es gibt etwas, was Sie von diesem Menschen gelernt haben und was Sie nun immer mit ihm verbinden wird.

Jeder Mensch braucht seine eigene Zeit, um mit Verlusten und Abschieden umzugehen. Laut der Psychologin Prof. Dr. Rita Rosner dauert es im Durchschnitt etwa ein Jahr, den Tod eines nahestehenden Menschen zu verarbeiten. Bei manchen Menschen sind es auch nur sechs Monate, bei Kindern dauert der Prozess gewöhnlich länger.

Quelle

Überlegen Sie sich einmal, was Sie im Kontakt mit dieser Person hält. Welche Rolle hat die Person in Ihrem Leben? Was würde es für Sie bedeuten, wenn diese Person nicht mehr in Ihrem leben wäre? Sich diese Fragen zu stellen macht es leichter, sich von der Person zu lösen.

Fazit

Die Vergangenheit loszulassen ist ein Prozess, der mit viel Schmerz, aber letztendlich auch mit viel Erleichterung verbunden sein kann. Was Ihnen dabei besonders hilft, ist je nach Persönlichkeit und Lebensgeschichte ganz unterschiedlich.
Machen Sie sich mit meiner Hilfe auf den Weg für mehr Freiheit und einen Neuanfang!

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