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5 Tipps, Ihre Angst vor einem neuen Job zu überwinden

Sie sitzen zu Hause und schmieden Pläne über Ihre berufliche Weiterentwicklung. Doch bis jetzt ist es immer nur bei Plänen geblieben. Denn trotz Ihrer Freude über eine  neue Arbeitsstelle, macht sich auch Angst bemerkbar. Kommt Ihnen das bekannt vor?
So geht es auch Frau A: Sie ist Erzieherin und möchte gerne Kindergartenleiterin werden, doch müsste sie sich an einem anderen Ort bewerben. Allerdings kümmert sie sich intensiv um ihre pflegebedürftige Mutter und möchte außerdem nicht, dass ihr Hund sich auf eine fremde Umgebung einstellen muss.

Erst später in unseren Beratungsgesprächen zeigt sich, dass noch etwas anderes dahintersteckt: Frau A. hat vor allem Angst vor einem Jobwechsel.

In diesem Artikel erfahren Sie, was Gründe für diese Angst sein können und wie Sie lernen, sie zu bewältigen.

Hund, der traurig auf dem Boden liegt und nach oben schaut
Photo by Dominik QN on Unsplash

Was steckt hinter der Angst vor dem Jobwechsel?

Zuerst ist es wichtig, die konkreten Gründe Ihrer Angst vor einer neuen Anstellung herauszufinden. Darauf aufbauend können Sie Wege finden, um mit Ihren Ängsten umzugehen. Ich stelle Ihnen einige Beispiele für häufige Ursachen vor. Entsprechende Bewältigungsmöglichkeiten finden Sie im Anschluss.

  1. Angst vor Veränderungen: Fürchten Sie sich vor neuen, Ihnen unbekannten Situationen? Damit sind Sie nicht allein! Die meisten von uns kennen dieses Gefühl von Zeit zu Zeit. Es ist auch völlig verständlich – schließlich wissen Sie nicht, wo Ihre Zukunft Sie hinführt.

  2. Angst vor Kritik oder Ablehnung: Befürchten Sie, von Ihren Vorgesetzten oder Kollegen unsanft zurechtgewiesen zu werden, wenn Sie etwas falsch machen oder unbekannte Dinge nachfragen? Haben Sie Angst vor der Reaktion Ihres Umfelds, wenn Sie sich für eine neue Arbeit entscheiden? Als ich mich mit meiner Online-Beratung selbstständig gemacht habe, fiel es mir am Anfang schwer, meinen Freunden und meiner Familie davon zu erzählen. Ich dachte, dass ich nicht gut damit umgehen könnte, sollten sie meine Entscheidung kritisieren. Hinter der Angst vor Kritik steckt also auch die Angst, von wichtigen Menschen nicht unterstützt und in gewisser Weise zurückgewiesen zu werden.

  3. Angst zu Scheitern: Gehen Sie nur ungern neue Herausforderungen ein, weil Sie nichts falsch machen wollen? Gab es Ereignisse in Ihrem Leben, die Sie zu der Überzeugung gebracht haben, Fehler seien etwas grundsätzlich Schlechtes und Sie dürften auf keinen Fall welche machen?

In einem neuen Job sind Sie sicherlich mit neuen Aufgaben konfrontiert. Dabei ist es ganz normal, wenn Sie nicht alles auf Anhieb richtig machen. Fürchten Sie sich aber zu sehr davor, Fehler zu machen, nehmen Sie vermutlich eher Abstand von einer neuen Arbeitsstelle.

Dartspiel, ein Pfeil direkt in der Mitte
Photo by Silvan Arnet on Unsplash

4. Angst vor Erfolg: Gibt es Menschen, die neidisch auf Sie sein könnten, wenn Sie sich auf einen angesehenen oder gut bezahlten Job bewerben? Möchten Sie sich auf keinen Fall über diese Menschen stellen?

5. Angst vor Verantwortung: Wird Ihnen in Ihrem neuen Job mehr abverlangt als bisher, steigt der Berg an Aufgaben und Erwartungen. Zu großer Druck kann dafür sorgen, dass Sie überfordert sind und sich wie gelähmt fühlen.

6. Selbstzweifel: Zweifeln Sie häufig an sich und Ihren Fähigkeiten und glauben nicht daran, dass Sie in einem neuen Job erfolgreich sind? Natürlich können Sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einschätzen, wie gut die neue Arbeit zu Ihnen passt. Ihre Gedanken sind also völlig nachvollziehbar. Machen Sie sich aber dauerhaft klein und geben Ihren Selbstzweifeln zu viel Macht über sich, verstärken Sie damit Ihre Ängste und stehen Ihrer Zukunft eher pessimistisch gegenüber.

Jede Angst hat eine Funktion

Angst ist ein gemeines Gefühl. Sie hält Sie davon ab, Dinge zu tun, die Ihnen eigentlich wichtig sind. Unter Umständen bestimmt Sie Ihr ganzes Leben. Wäre es dann nicht besser, wenn es so etwas wie Angst gar nicht erst geben würde?

Ganz so einfach ist es leider nicht. Es ist grundsätzlich sinnvoll und sogar überlebensnotwendig, dass Sie in der Lage sind, Angst zu empfinden. Denn wie eine Warnleuchte an Ihrem Auto zeigt die Angst Ihnen an, wenn einem Ihrer Grundbedürfnisse Gefahr droht.

Baustellenabsperrung mit Warnleuchten

Beim Thema Angst vor dem neuen Job sind vor allem Ihre psychischen Grundbedürfnisse von Bedeutung. Dazu zählen nach dem bekannten Psychotherapeuten und Forscher Klaus Grawe die Bedürfnisse nach Bindung, Orientierung und Kontrolle, Selbstwertschutz sowie Lustgewinn und Unlustvermeidung.

Werden Sie von anderen abgelehnt oder nicht unterstützt, geht dies zu Lasten Ihres Bindungsbedürfnisses. Vermeiden Sie Erfolge, um Menschen, die neidisch auf Sie sind, nicht zu verletzen, erfüllen Sie dahingegen Ihr Bedürfnis nach Bindung. Kommt es durch den neuen Job zu vielen Veränderungen, müssen Sie sich erst einmal neu orientieren und haben weniger Kontrolle über Ihre Lebenssituation. Hängt Ihr Selbstwert davon ab, wie gut Ihre Leistungen sind, versuchen Sie alles richtig zu machen und Fehler zu vermeiden, um Ihren Selbstwert zu schützen. Und Ihr Bedürfnis nach Unlustvermeidung ist gefährdet, wenn Sie unter Druck stehen und sich überfordert fühlen.

5 geniale Tipps, um Ihre Angst vor dem neuen Job zu überwinden

Es ist absolut menschlich, dass der Gedanke an einen neuen Arbeitsplatz Ihnen Unbehagen bereitet.
Was können Sie nun tun, um es sich leichter zu machen?

1. Hinterfragen Sie Ihre Einstellung zu Veränderungen

Dass Ihnen unbekannte Situationen Angst machen, hat erst einmal seinen Sinn. Denn Ihr Gehirn möchte Sie vor Gefahren schützen und alles, was unbekannt ist, könnte potentiell gefährlich sein.

Oft führen Veränderungen aber auch dazu, dass Dinge besser werden als vorher oder etwas Neues und Schönes in Ihr Leben kommt. Ihnen fallen mit Sicherheit Beispiele ein. In meinem Blogartikel zum Thema „Komfortzone verlassen“ erzähle ich von einem Beispiel aus meinem Leben und stelle Ihnen außerdem eine Menge Möglichkeiten vor, Veränderungen in einem positiven Licht zu sehen.

2. Üben Sie einen fehlerfreundlichen Umgang mit sich selbst

Es ist ganz normal, wenn Sie im neuen Job nicht gleich alles perfekt machen. Haben Sie diesen Anspruch an sich, wechseln Sie einfach die Perspektive und stellen sich vor, Ihr bester Freund oder Ihre beste Freundin wäre an Ihrer Stelle. Wie würden Sie mit ihm oder ihr umgehen? Wie viel Mitgefühl hätten Sie, wenn er oder sie etwas falsch machen würde? Was würden Sie ihm oder ihr sagen?

3. Machen Sie es sich in erster Linie selbst recht

Wollen Sie es immer allen anderen recht machen? Bleiben Sie vielleicht in Ihrem alten Job, weil Ihre Mutter es für das Beste hält oder Ihre beste Freundin Ihren neuen Berufswunsch überhaupt nicht nachvollziehen kann?
Dahinter stecken meistens der Wunsch nach Anerkennung und die Angst vor Ablehnung. Aber Sie führen nicht das Leben Ihrer Mutter oder Ihrer besten Freundin. Sie führen Ihr eigenes und haben ganz eigene Interessen, Werte und Ziele. Es immer den anderen recht zu machen ist eine starke Gewohnheit vieler Menschen, die von klein auf gelernt haben, dass sie gemocht werden und dazugehören, wenn sie sich anderen anpassen.
Hat sich so eine Gewohnheit erst einmal etabliert, läuft sie irgendwann nahezu automatisch ab. Doch alles, was Sie einmal gelernt haben, können Sie auch wieder umlernen – dazu ist unser Gehirn sogar bis ins hohe Alter in der Lage!

Gehen Sie also Ihern eigenen Weg und fangen Sie an, zu sich selbst zu stehen.  Sie wünschen sich Unterstützung dabei?

4. Betrachten Sie Ihre neue Verantwortung als wertvolle Chance

Werden Sie leicht nervös, wenn mehr Verantwortung auf Sie zukommt als Sie es gewohnt sind? Mir ging es zum Beispiel so, als ich vor einigen Jahren bei meiner Arbeit in einer Klinik zum ersten Mal eine Gruppentherapie durchführen sollte. Bis dahin hatte ich immer nur meinen Kollegen zugeschaut und sah mich dieser Aufgabe nicht gewachsen, weil mir die Erfahrung fehlte. Doch ich merkte schnell, wie viel Spaß es mir machte, die Gruppentherapien zu leiten. Wenn Sie sich neuen Herausforderungen stellen, lernen Sie möglicherweise ganz neue Seiten an sich kennen. Seiten, die Ihr Leben bereichern.

5. Bereiten Sie sich vor

Haben Sie bereits einen neuen Job in Aussicht und machen sich Sorgen, wie die erste Zeit werden wird? Dann hilft es Ihnen, sich gut über das Unternehmen zu informieren: Wie läuft die Einarbeitung ab? Brauchen Sie bestimmte Zugangsberechtigungen und wie können Sie diese organisieren? Wie ist der Weg zur Arbeit und wo gibt es Parkmöglichkeiten? Was wollen Sie anziehen?

Notizbuch, auf dem eine Brille liegt, davor ein Federmäppchen. Alles vor einem aufgeklappten Laptop.
Photo by Dan Dimmock on Unsplash

Fragen und Antworten rund um den Jobwechsel

Alles, was Sie kennen, können Sie gut einschätzen: Den Weg zu Ihrem aktuellen Arbeitsplatz, Ihre jetzigen Vorgesetzten und Kollegen und Ihre gewohnten Aufgaben. Das gibt Ihnen Sicherheit.
Wechseln Sie Ihren Job, fällt vieles davon weg. Sie wissen nicht, wie Sie Ihre neuen Aufgaben meistern und mit Ihren neuen Kollegen und Vorgesetzten zurechtkommen werden. Das kann Ihnen Angst machen, gerade wenn Sie befürchten, dass es Ihnen nach dem Jobwechsel schlechter geht als jetzt.

Lassen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen und setzen Sie sich nicht selbst unter Druck. Die Kommunikationsberaterin Sabine Neuwirth rät als Faustregel, sich ein Jahr Zeit zu geben, bis Sie Ihren Platz in einem neuen Unternehmen gefunden haben.

  • Suchen Sie sich einen Raum, in dem Sie ungestört sein können.

  • Lassen Sie nur Dinge in diesem Raum, die Sie für Ihre Arbeit benötigen.

  • Hängen Sie, wenn Sie nicht alleine wohnen, ein Schild an die Tür, während Sie arbeiten.

  • Legen Sie klare Zeitfenster für Arbeit und Freizeit fest, die im Idealfall jeden Tag gleich sind.

  • Machen Sie während Ihrer Arbeitszeit regelmäßig kleine Pausen, zum Beispiel ein mal pro Stunde zehn Minuten.

  • Sorgen Sie für ausreichend frische Luft und Bewegung, denn Ihr Weg zur Arbeit und wieder zurück fällt weg.

Wenn Sie mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind, überlegen Sie einmal, was genau Sie stört. Sind es Dinge, die mit dem Arbeitsplatz zusammenhängen (wie zum Beispiel Schichtarbeit oder ein hohes Gesundheitsrisiko), oder liegen die Gründe in Ihnen selbst (wie zum Beispiel die Angst, kritisiert zu werden oder etwas falsch zu machen).
Vielleicht kommen Sie so zu dem Schluss, dass Sie Ihren Job behalten möchten, aber gerne mutiger und selbstsicherer wären, um sich dort wohler zu fühlen. Hier setze ich mit meiner psychologischen Beratung an.

Fazit

Ein neuer Arbeitsplatz kann viele Möglichkeiten für Sie bieten, sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Möglicherweise erfüllt er Sie mehr als das, was Sie gerade tun und macht Sie glücklicher und zufriedener.
Dann lohnt es sich für Sie, an Ihren Ängsten zu arbeiten.

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