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Verlustangst: Ursachen & Lösungen

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„Warum mache ich alles kaputt, was mir wichtig ist?“, fragt sich Frau B. in ihrem allerersten Beratungsgespräch bei mir. Vor kurzem habe ihr Partner sie verlassen.
Es sei ihm „einfach zu viel geworden, dass sie ihn ständig gefragt habe, ob in ihrer Beziehung noch alles in Ordnung sei“. In ihren vorherigen Beziehungen sei es Frau B. ähnlich ergangen.
Hinzu komme der schlimme Streit mit ihrer 25-jährigen Tochter, die es „zu Hause nicht mehr aushalte“. Frau B. hätte alles dafür getan, dass ihre Tochter immer bei ihr wohnen bleiben würde. Doch nun habe ihre Tochter einen Mietvertrag unterschrieben.

Schnell wird deutlich: Frau B. leidet unter starker Verlustangst.
In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was ist Verlustangst?
  • Woher kommt Verlustangst?
  • Welche Folgen kann Verlustangst haben?
  • Wie lerne ich, mit Verlustangst umzugehen?

Was ist Verlustangst?

Der Medizinjournalist Dr. Nicolas Gumpert bringt es gut auf den Punkt:
Verlustangst ist die Angst vor dem Verlust geliebter Menschen, Tiere oder Dinge. Natürlich finden die meisten von uns den Gedanken beängstigend, ihren Partner, ihre Eltern oder den Job zu verlieren. Im Normalfall beschränken sich solche Gedanken aber auf reale oder unmittelbar bevorstehende Ereignisse. Von Verlustangst sprechen wir, wenn aktuell keine reale Gefahr eines Verlustes besteht, die Sorgen um den Verlust Überhand nehmen und unter Umständen das ganze Leben bestimmen. Am häufigsten treten Verlustängste im Rahmen von Partnerschaftsbeziehungen auf.

Photo by Kayla Koss on Unsplash

Auslöser und Ursachen für Verlustangst

Wie so oft in der Psychologie, gibt es für Verlustangst viele mögliche Ursachen und Auslöser.

Die häufigsten sind:

  1. Abwesenheit eines Elternteils oder beider Eltern in der Kindheit

  2. Vernachlässigung in der Kindheit

  3. Früher Verlust eines Elternteils oder beider Eltern

  4. Eltern mit Verlustangst

  5. Überbehütendes Verhalten der Eltern

  6. Prägende Verlusterfahrungen im Erwachsenenalter

Verlusterfahrungen in der Kindheit

Wurden Sie in Ihrer Kindheit von einem Elternteil verlassen oder haben Ihre Eltern Sie vernachlässigt, können Sie Verlustängste entwickelt haben. Denn Ihr Vertrauen in enge Beziehungen kann dadurch nachhaltig beeinträchtigt sein.
Als kleines Kind sind Sie vollkommen von Ihren Eltern abhängig gewesen, so dass sich ihre dauerhafte Abwesenheit oder Zurückweisung für Sie lebensbedrohlich angefühlt hat.
Auch noch wenn Sie erwachsen sind können Sie die Überzeugung beibehalten, ohne wichtige Bezugspersonen nicht leben zu können und der bloße Gedanke daran, sie zu verlieren, löst unmittelbar Panik in Ihnen aus.

Verlustangst kann auch durch den frühen Tod eines Elternteils entstehen, wie im Beispiel von Frau B.: Als sie acht Jahre alt gewesen sei, habe ihre Mutter ihren Vater tot vor der Haustür gefunden. Dabei sei er „immer kerngesund gewesen“. Noch heute, über 40 Jahre später, trauert Frau B. sehr um ihren Vater. Sie hat gelernt, dass geliebte Menschen nicht für immer bei ihr bleiben, sondern jederzeit plötzlich und unerwartet gehen können. Seitdem klammert sie sich an diese Menschen, um „noch so lange in ihrer Nähe sein zu können, wie es geht“.

Ängstliches und überbehütendes Verhalten der Eltern

Kinder übernehmen viel von dem, was ihre Eltern ihnen vorleben. So können Eltern mit Verlustangst ihre Ängste auf ihre Kinder übertragen.
Frau B., die seit vielen Jahren unter ihrer Verlustangst leidet, berichtet, dass Sie ihre Mutter noch heute zweimal am Tag anrufen müsse, damit diese sich keine Sorgen um sie mache. Die Mutter habe Frau B. verboten, ihren Führerschein zu machen: Das sei viel zu gefährlich für sie! Somit ist Frau B. in vielen Punkten auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, was ebenfalls zu ihrer Verlustangst beiträgt.

Ursachen im Erwachsenenalter

Verlustangst kann auch erst im Erwachsenenalter entstehen, wenn Sie zum Beispiel wiederholt schwere Trennungen durchgemacht haben oder frühere Beziehungen von Enttäuschungen, Verletzungen oder Untreue geprägt waren.

Shilouetten von Mann und Frau am Strand, Frau weggedreht, Hände am Kopf
Photo by Eric Ward on Unsplash

Wie zeigt sich Verlustangst?

Da die Angst vor Verlust ein völlig normales Gefühl ist, ist es manchmal schwer einzuordnen, ob sie sich noch in einem gesunden Ausmaß bewegt.
Folgende Fragen helfen Ihnen dabei:

  1. Leiden Sie unter Ihrer Verlustangst?
  2. Nimmt Ihre Verlustangst so viel Raum in Ihrem Alltag ein, dass Sie sich nur schwer auf andere Dinge konzentrieren können?
  3. Hat Ihnen schon einmal ein nahestehender Mensch gesagt, dass er unter Ihrer Verlustangst leidet?
  4. Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, dass er Ihre Verlustangst und Ihr daraus folgendes Verhalten nicht nachvollziehen kann?
  5. Würden Sie lieber in einer unglücklichen Beziehung bleiben, als allein zu sein?
  6. Mögen Sie es nicht, wenn Ihr Partner oder andere Ihnen wichtige Bezugspersonen Zeit ohne Sie verbringen?
  7. Haben Sie schon einmal aus Verlustangst eine Beziehung beendet, damit Ihr Partner sie nicht seinerseits beenden kann?
  8. Gehen Sie von vorn herein keine Beziehung ein, damit Sie nicht verlassen werden können?
  9. Besteht Ihre Verlustangst unabhängig von tatsächlichen Auslösern?
  10. Hatten Sie schon einmal das Gefühl, wesentlich mehr Angst vor einem bevorstehenden Verlust zu haben als andere Menschen um Sie herum?

Was können Sie gegen Verlustangst tun?

Für Sie gibt es viele Möglichkeiten, Ihre Verlustangst zu überwinden!
Die wichtigsten sind:

  1. Aufbau eines stabilen Selbstwerts

  2. Arbeit mit Ihrem „inneren Kind“

  3. Einüben und Durchführen von Meditationstechniken

Diese Ansätze schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen einander.

Aufbau eines stabilen Selbstwerts

Verlustängste hängen fast immer eng mit einem niedrigen Selbstwertgefühl zusammen. 

Zum Beispiel, wenn Sie als Kind von einem Elternteil verlassen wurden und so die Grundüberzeugung entwickelt haben, nicht gut genug zu sein.
Diese Überzeugung kann sich auf Ihre aktuellen Beziehungen übertragen und Verlustängste hervorrufen:
Sie glauben nicht daran, für andere gut genug zu sein, also halten Sie es für sehr wahrscheinlich, dass sie früher oder später verlassen werden. Oftmals sind uns solche Grundüberzeugungen nicht bewusst, doch sie beeinflussen unser ganzes Leben: Nämlich, wie wir mit uns selbst und unseren Mitmenschen umgehen.
In meiner Arbeit als psychologische Online-Beraterin habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen auf ihrer Reise zu einem guten Selbstwertgefühl zu begleiten. Sie lernen, sich selbst besser annehmen zu können und entwickeln das Vertrauen, von anderen geliebt und gemocht zu werden. Dadurch wird Ihre Verlustangst ganz automatisch weniger.
Möchten Sie meine Methoden ausprobieren, melden Sie sich einfach zu einem unverbindlichen Probegespräch an.

Arbeit mit dem inneren Kind

Sind Verlustängste auf Kindheitserfahrungen zurückzuführen, kann die Arbeit mit dem sogenannten inneren Kind sehr heilsam sein. Hierbei wird davon ausgegangen, dass jeder von uns den Anteil des unbewussten „inneren Kindes“, sowie den Anteil des reflektierten „inneren Erwachsenen“ in sich trägt.
Einen ausführlichen Überblick über das Konzept des inneren Kindes und des inneren Erwachsenen gibt dieser Fachartikel des Psychotherapeuten Hans Piron.

In einer Psychotherapie oder psychologischen Beratung lernt Ihr innerer Erwachsener, Ihr inneres Kind zu trösten, es zu beruhigen und ihm eine realistischere Sicht der Dinge zu vermitteln.

Meditation

Wer starke Verlustängste hat, ist mit seinen Gedanken ständig in der Zukunft: „Was, wenn mein Partner mich verlässt?
Was, wenn meine Kinder irgendwann keinen Kontakt mehr zu mir haben wollen?“ Anstatt den Moment zu genießen und damit die Tatsache, dass der Partner noch bei einem oder der Kontakt zu den Kindern noch gut ist.
Hier hilft das Erlernen einer Meditationstechnik, um mit der Aufmerksamkeit öfter im Hier und Jetzt zu sein und den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen. In meiner psychologischen Online-Beratung können Sie verschiedene Meditationsübungen kennenlernen, die sie zunächst unter meiner Anleitung und später ganz einfach alleine durchführen können.

Fragen und Antworten rund um Verlustangst

Ist Verlustangst heilbar?

Absolut! Verlustängste entstehen durch bestimmte Erfahrungen, die Sie im Laufe Ihres Lebens gemacht haben. Sie sind sozusagen „gelernt“. Glücklicherweise ist unser Gehirn in der Lage, durch neue Erfahrungen auch wieder Neues dazuzulernen. Dafür braucht es einfach etwas Zeit und Geduld, wie etwa, wenn Sie eine neue Sprache oder ein neues Instrument lernen.

Wie gehe ich mit einem Partner um, der Verlustangst hat?

Leidet Ihr Partner unter starken Verlustängsten, kann es zu häufigen Auseinandersetzungen kommen: Zum Beispiel, weil Sie Ihrem Partner immer wieder versichern, dass Sie bei ihm bleiben, aber seine Angst, Sie zu verlieren, trotzdem bestehen bleibt.
Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren. Nehmen Sie Ihren Partner ernst und machen Sie ihm keine Vorwürfe. Er kann nichts für seine Verlustängste. Sie sind durch Erfahrungen entstanden, die er im Laufe seines Lebens gemacht hat. Ermuntern Sie Ihren Partner, sich professionelle Unterstützung zu suchen und begleiten Sie ihn dabei.
Sorgen Sie dennoch gut für sich selbst. Wenn Sie dauerhaft unter der Situation leiden, kann es ratsam sein, die Beziehung zu beenden.

Kann mir jemand überhaupt wichtig sein, wenn ich keine Verlustangst habe?

Auf jeden Fall! Sie können andere Menschen lieben, ohne jeden Moment daran zu denken, diese Menschen irgendwann zu verlieren. Ihre Beziehungen werden dann sogar besser, weil sie nicht ständig von der Verlustangst überschattet werden.

Was passiert, wenn ich nichts gegen meine Verlustangst unternehme?

Aus Angst, andere Menschen zu verlieren, passen Sie sich möglicherweise zu sehr an deren Bedürfnisse an und lassen Ihre eigenen zu kurz kommen. Kommt es irgendwann zu einer Trennung, haben Sie unter Umständen das Gefühl dafür verloren, was Ihnen selbst wichtig ist und wissen nicht, was Sie aus Ihrem Leben machen wollen.

Auf Dauer kann Verlustangst zu Einsamkeit bis hin zur vollständigen Isolation führen:
Zum Beispiel, weil Sie aus Angst, verlassen zu werden, keine engen Beziehungen eingehen oder andere Menschen sich wegen Ihres kontrollierenden Verhaltens von Ihnen distanziert haben.

Langfristig führen ausgeprägte Verlustängste zu körperlichen Beschwerden wie ständigen Kopfschmerzen oder Verspannungen und psychischen Erkrankungen wie starken Depressionen.

Fazit

Für Sie lohnt es sich also, an Ihrer Verlustangst zu arbeiten! Machen Sie sich gerne mit meiner Hilfe auf den Weg.

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